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Über das Projekt

Livia
Schaeppi

Ich bin 1992 geboren und aufgewachsen in einem Dorf im Appenzellerland. Zurzeit besuche ich das letzte Jahr der Fachmittelschule und musste zu diesem Zweck eine Abschlussarbeit schreiben.

VORWORT

Für mich war bereits im letzten Jahr klar, dass ich als Abschlussarbeit etwas Praktisches machen möchte. Wie nicht wenige Frauen in meinem Alter interessiere auch ich mich sehr für Kosmetik, Mode und das ganze Drumherum.

Ein Gesicht ist für mich die spannendste Leinwand überhaupt. Und genau um diese besondere Leinwand sollte es sich drehen. Doch in was für ein Projekt könnte ich das verpacken? Mir fiel mit der Zeit auf, dass der Stil der Dreissiger und Vierziger Jahre immer mehr Einfluss auf die Kleidung und das Aussehen der modernen Frau nahm. Ich begann, mich deshalb mehr mit dem Aussehen der Frau anno dazumal auseinander zu setzen und blieb nicht nur bei den Dreissiger Jahren und Vierziger Jahren hängen, sondern wollte nun viel mehr wissen. Begeistert hat mich, wie wandelbar die Frauen damals waren und wie sie sich von Dekade zu Dekade verändert haben. Daher begann ich selber auszuprobieren und merkte schnell, dass ich in ein Projekt mit diesem Thema sehr viel Herzblut stecken könnte. Ich stellte mir die Aufgabe, mich zu jeder Dekade des letzten Jahrhunderts passend herzurichten. Dabei wollte ich wissen, ob es für einen Laien überhaupt möglich ist sich so zu verwandeln. Und ob ich es fertig bringe einen Bildband zu kreieren, der dem Betrachter jede Dekade etwas näher bringt. Ich hätte grosse Freude an meinem Projekt und hoffe ich kann ein Stück dieser Freude an sie weitergeben.


RÜCKBLICK

Die Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht, obwohl ich sagen muss, dass ich sie aufwand-mässig stark unterschätzt habe. Am Tag vor Beginn der Arbeitszeit habe ich begonnen unser Gästezimmer auszuräumen, um mir ein kleines Studio einrichten zu können. Das war zwar mühsam aber nicht schwierig. Der schwierigste Part womöglich an der ganzen Arbeit war das richtige Ausleuchten des Raumes. Ich habe lange probiert und mit der falschen Beleuchtung und den falschen Kameraeinstellungen einige, von Posing und Aussehen her, gute Bilder in den Sand gesetzt. Ich entschloss mich deshalb dazu, Hilfe bei einem Profi zu suchen. Hiermit geht nochmals ein grosses Dankeschön an Herrn Hannes Thalmann. Er half mir sehr mit den Kameraeinstellungen (ich verwendete die Canon EOS 5D meiner Mutter) und stellte mir zur Krönung auch noch zwei seiner Studiolichter zur Verfügung. Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass ein gutes Bild mit der richtigen Beleuchtung definitiv steht oder fällt. Es war deshalb für mich ein Segen, eine derart gute Beleuchtung verwenden zu dürfen. Für mein Projekt war es sehr wichtig, dass das Licht immer gleich ist. Die Bilder sollten im Grunde alle identisch sein, nur das Styling und Posing sollte sich verändern. Eine andere Lichteinstellung, verändert ein Bild sehr und ich wollte den Fokus auf das Aussehen der Person lenken und nicht auf die Beleuchtung des Bildes.

Ich habe in den ersten zwei Wochen sehr viel über das letzte Jahrhundert gelesen. Im Internet habe ich mir Hunderte Bilder von den vergangenen Dekaden angeschaut. Zusätzlich habe ich mir aus der Bibliothek einige Filme wie Casablanca, Coco Chanel, Breakfast at Tiffanys und Der fremde Sohn (spielt um 1928) ausgeliehen. Ich schaute ebenso Filme wie Flashdance oder einige Episoden von Friends. Auch Youtube ist eine tolle Plattform, um sich Tipps und Tricks zu verschiedenen Looks, verpackt in sogenannte Tutorials, ansehen zu können.

Das einzige Problem, das ich beim Schminken hatte waren die extrem dünnen Augenbrauen, die in den Dreissiger Jahren angesagt waren. Ich fand keine Möglichkeit, wie ich sie mit kosmetischen Mitteln hätte abdecken können, und rasieren war für mich keine Option. In Absprache mit meiner betreuenden Lehrperson entschied ich mich deshalb dafür, sie im Photoshop mit dem Verflüssigungsfilter zu bearbeiten, was auch erstaunlich gut klappte.

Da ich ziemlich erfinderisch bin, hatte ich auch keine grossen Probleme mit den Outfits. Fand ich kein passendes Kleid, habe ich mir kurzerhand irgendwie eines gebastelt. Nur einmal musste ich das Handtuch werfen. Ich fand einfach kein Outfit, das der Mode von 1910 bis 1919 gerecht wurde. Deshalb entschloss ich mich, wie oben erwähnt, eine Be-kleidung zu mieten. Sonst bin ich mit dem Verlauf der Arbeit wirklich sehr zufrieden.


SCHLUSSWORT

Ich habe während dieser Arbeit sehr viel gelernt. Besonders beeindruckend war für mich, wie der Look der Frau sich mit ihrem Status in der Gesellschaft verändert hat. In den ersten zwanzig Jahren des letzten Jahrhunderts sieht man besonders stark, wie unterdrückt wir Frauen waren. Die Mode des 19. Jahrhunderts war noch sehr gegenwärtig. Die Zwanziger Jahre läuteten eine modernere Zeit ein. Erstmals war die Erscheinung der Frauen gewagt, gar erotisch und etwas exotisch. Sie liessen das “Liebe“ und “Nette“ hinter sich und schritten in eine, nun für sie bessere Zukunft. Die wirkliche Emanzipation kommt aber erst in den Sechziger Jahren. Als Symbol dieser Emanzipation kann man die Erfindung des Minirocks nennen. Von da an strahlen Frauen etwas Selbstbewusstes und Unabhängiges aus. Sie können sich nun mit ihrem Look ausdrücken. Das ist mir während meiner Arbeit und besonders beim Betrachten von Bildern aus diesem und den folgenden Jahrzehnten aufgefallen. Diese Tatsache machte es auch etwas schwieriger, einen bestimmten Look für diese Jahrzehnte herauszukristallisieren. Es gab noch Trends, doch diese wurden nun viel individueller umgesetzt.

Wenn ich mir die Trends heutzutage anschaue, ist die Betonung der Individualität geblieben. Es gibt nicht mehr einen Look, den alle mitmachen, sondern man lässt den gegenwärtigen Trend in seinen persönlichen Stil einfliessen. Auch werden wir immer wieder von der Vergangenheit eingeholt. Momentan sind es Einflüsse der Dreissiger/Vierziger Jahre, die unseren Look prägen. Was wird uns wohl in den kommenden Jahren inspirieren? Vielleicht die Batikmode der Siebziger Jahre oder die wilden Frisuren der Achtziger Jahre? Wir wissen es nicht, doch diese Ungewissheit ist es, die das Ganze so spannend macht. Sicher ist, dass der Look der Frau sich stetig wandeln wird.

Rückblickend hätte ich kein besseres Thema wählen können. Ich hatte wirklich sehr grosse Freude an diesem Projekt und denke, das dies sich auch auf die Qualität meiner Arbeit ausgewirkt. Es ist toll, jetzt etwas in Händen halten zu können, das ich mit Stolz auch einmal meinen Kindern zeigen kann. Ich werde viele schöne Erinnerungen an diese Zeit und dieses Projekt mitnehmen.

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